Von der Objektebene zur umfassenden Unternehmensstrategie

Das Vertrackte mit einer zukunftsfähigen Immobilie ist, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Die meisten verbinden mit ihr Energiespareffekte, gefolgt von der Verwendung ökologischer Baustoffe. Doch die Qualitätsmerkmale reichen weit über den Ressourcenschutz hinaus: Eine Immobilie, die fit sein soll für die Zukunft, lässt sich an die jeweiligen Nutzungsbedingungen anpassen. Das Gebäude "geht mit der Zeit", sozusagen. Was angesichts der sich ständig wandelnden Anforderungen ein großer Vorteil für Eigentümer und Nutzer ist. Falls ein Umbau notwendig wird, sparen beide Seiten Zeit, Geld - und auch Nerven. Wer je ein Gebäude geplant, gebaut, umgebaut und später betrieben hat, kennt  die "Abenteuer", die die Bauwelt bereithält - die Pillendose liegt nie weit entfernt.   

     

Allerdings stellt die Flexibilität von Gebäuden den bisherigen Planungsprozess , das Immobilienmanagement und die Organisationsstruktur von Unternehmen vor neue Herausforderungen. Althergebrachtes muss heutigen Arbeitsweisen angepasst und überkommende Denkmuster sollten zugunsten eines interdisziplinär und teamorientierten Vorgehens überwunden werden. Denn die Funktionen einer Immobilie müssen neu gedacht werden. Kein leichtes Unterfangen, gab es in den vergangenen 30 Jahren wenig Gründe für Veränderungen. Der Klimawandel, gesellschaftliche Umbrüche und die technologische Entwicklung erzwingen diese Transformation jetzt mit Macht. In den folgenden drei Teilen spüren wir diesen Veränderungen nach.

 

Worauf es in Zukunft ankommt 

Zunächst wollen wir wissen, wodurch sich eine Immobilie als zukunftsfähig erweist. Dazu treffen wir zunächst Ralf F. Bode, Geschäftsführer der atmosgrad GmbH, der sich auf die Nachhaltigkeit von Immobilien spezialisiert hat. Interessanterweise ist für ihn der Nutzer und sein Verhalten ein zentrales Element, das in der Planung mitgedacht werden sollte. Ja, sollte. Denn in der Realität ist der Nutzer die "Black Box", wie er sagt. Der Mieter bleibt außen vor, obwohl er ein wichtigste Bindeglied darstellt. Es braucht also ein umfassenderes Verständnis, etwas wie eine Art "Kultur der Nachhaltigkeit". Doch was erwartet der Nutzer von der "Immobilie der Zukunft", haben wir Dr. Roman Wagner gefragt. Er entwickelt Büroimmobilien-Konzepte für die Arbeitswelt von morgen und begleitet Unternehmen auf diesem Weg. Seiner Meinung nach ist der "war for talents" ein wesentlicher Faktor für die Wahl der Immobilie - eine spannende Perspektive.  

 


Mit Weitblick planen und investieren

Wir sind neugierig geworden auf die "Immobilie der Zukunft" und haben uns mit Volker Noack, Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate GmbH, verabredet. Er zeigt uns das EMPORIO-Quartier und erzählt uns etwas über dessen Entstehungsgeschichte. Das ursprüngliche Unilever-Gebäude aus dem Jahr 1964 wurde nach internationalen Green Building-Standards revitalisiert und dient heute zahlreichen Mietern als "Future Office". Nebenbei ist das 93 Meter hohe markante Bürogebäude in der Hamburger City wieder zu einem Architektur-Highlight der Extraklasse geworden. Gleich nebenan befindet sich das Scandic Hamburg EMPORIO, das Teil des Quartiers ist. Hier besuchen wir auf einen Sprung Tobias Albert, der zuständig ist für Marketing & Sales. Er erzählt uns spannende Dinge, wie man Nachhaltigkeit im Hotelbetrieb "lebt" und durch story telling den Gästen vermittelt, ohne als "Super-Öko" daherzukommen.

 


Mitarbeiter und Mieter einbeziehen  

Nach der Rundreise sind wir bereits ein ganzes Stück schlauer. Vor allen Dingen ist uns der Zusammenhang deutlich geworden, zwischen dem späteren Gebäudebetrieb und einer weitblickenden Immobilienplanung und -Konzeption. Doch wie funktioniert das Management von Immobilien im Zeitalter von Internet und Big Data? Dazu haben wir Tim Fischer, Geschäftsführer der MOMENI Property Management GmbH, getroffen, der bereits konkrete Vorstellung vom Immobilienmanagement 3.0 hat. Jedoch geht nichts, ohne die Mitarbeiter und Mieter einzubeziehen, gibt uns Volker Noack mit auf den Weg, den wir zum Abschluss noch einmal besuchen. Er ist überzeugt davon, dass eine Immobilie in Zukunft die Haltung eines Unternehmens repräsentiert und die Unternehmenskultur widerspiegelt - eine sympathische Idee am Ende unserer Suche.